Bild: Agnes Baldauf / auf meiner Reise entdeckt
Es gibt Systeme, wie zum Beispiel Familie, Partnerschaft, Clique, Unternehmen, Dorf oder Stadt, Gesellschaften, die sich durch ihre eigenen Werte und Regeln einen Rahmen geben, der für alle beteiligten gilt bzw gelten soll.
In dem jeweiligen System gibt es eventuell gemeinsame Frühstückzeiten oder Aufteilung der Hausarbeit.
Eine Partnerschaft kann monogam oder polygam ausgelegt sein. In der Clique sind vielleicht bestimmte Marken für Kleidung üblich. In Unternehmen gibt es Herarchien und Verhaltensregeln. Eine Gesellschaft orientiert sich an wirtschaftlichen Interessen, ist imperial oder neutral ausgerichtet.
Das sind alles Beispiele und sie sind in allen Schattierungen und Nuancen ausbaubar. Solange diese Systeme das Wohl aller Beteiligten berücksichtigen und schützen (zum Beispiel gemäß GG § 1 die Würde des Menschen), sind für mich alle Varianten des Zusammenlebens in Ordnung. Jedem das Seine, würde man wohl sagen können.
Wenn es jedoch in eine toxische Richtung für Systembeteiligte geht, so dass diese sich nicht mehr wohl, sondern ausgegrenzt, gedemütigt, erpresst fühlen und in irgendeiner Form Gewalt erleben, dann sind für mich Grenzen und rote Linien überschritten.
Meiner Beobachtung nach gibt es neben der offensichtlichen körperlichen Gewalt und cholerischen Wutausbrüchen, zusätzlich das – oft zunächst – kaum merkbare Unwohlsein durch sich einschleichende Selbstverständlichkeiten. Dieses Unwohlsein fällt durch Gedanken wie: „Er / Sie meint es ja nicht so“ – „naja, er / sie hatte einen schlechten Tag“ oder „das ist doch nicht so wild, betrifft uns ja alle, nach dem Motto geteiltes Leid ist halbes Leid“ zwar oft quasi unten durch, doch dennoch auf fruchtbaren Boden.
Diese schleichenden Selbstverständlichkeiten sind in einer Partnerschaft genauso zu finden, wie in der grossen Weltpolitik.
Ich lade dich ein, dich bei dir und in deinem Umfeld umzuschauen, zu beobachten und zu konstatieren. Wo sind Dinge für dich Routine, gewohnt und bequem – eben selbstverständlich geworden.
– Es ist selbstverständlich, dass das Essen zubereitet ist, wenn der Partner von der Arbeit kommt
– Es ist völlig normal, morgens Kaffee zu trinken oder am Wochenende ins Restaurant zu gehen.
– Stehst Du für dich ein, wenn du von Behördenmitarbeitern unfreundlich behandelt und mit Bürokratie überhäuft wirst?
– Wir nehmen es als selbstverständlich hin, dass man sich impfen lassen muss, damit man seinen Job behalten kann.
– Es ist definiert und damit als richtig anerkannt, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und die Vielfalt zu achten ist. Dennoch gibt es den Zwang der Schulpflicht in einem Schulsystem, das die Vielfalt der Lerntypen und Talente eher begrenzt als fördert.
– Wir nehmen es als selbstverständlich hin, dass mit einem abgewählten Bundestag das Grundgesetz geändert wird.
– Wir dulden es, dass man uns die Digitale Währung als Sicherheitspaket verkauft und ein Land, von dem nie wieder Krieg ausgehen sollte, kriegstüchtig gemacht wird.
Und so gibt es abertausende kleinere und grössere Selbstverständnisse, die wir dulden, ertragen – einfach, weil es zur Gewohnheit wurde.
Doch was passiert, wenn ein Mensch solche Verhaltensweisen toleriert, zulässt, sich und seine Wohlfühl- und Komfortzone immer weiter begrenzt?
Wenn Menschen dauerhaft Lügen, Druck, finanzieller Abhängigkeit, Drohungen und Gewalt ausgesetzt sind, dann brechen sie zusammen mit Burn Out oder werden depressiv, weil sie den Druck nicht mehr aushalten können und keine Kraft mehr haben, sich zu wehren. Oder sie brechen aus und revoltieren lautstark, was gefährliche Züge annehmen kann.
Wenn dir etwas auffällt (hörst, siehst, liest oder erlebst) und dann Blitzgedanken kommen wie:
– das ist halt so
– das wurde schon immer so gemacht
– daran kann ich nichts ändern
oder wahlweise
– was kann ich denn schon ausrichten
– das ist doch bloss eine Kleinigkeit
– das dient unserem Schutz
– ich würde ja gern, aber mein Chef, das Gesetz schreiben dies vor
Wenn also solche Blitzgedanken auftauchen, dann frage dich bitte aufrichtig:
Ist das wirklich in Ordnung für mich? Fühle ich mich damit wirklich so richtig pudeleswohl?
Wenn ja – warum?
Ist dieses oder jenes für dich in Ordnung, nicht, weil es schon immer so war oder du glaubst, dass „die da oben schon wissen, was sie tun“; sondern weil du voll und ganz mit allen Konsequenzen dazu stehen kannst. Wenn du dich für das „Ja, passt für mich“ entscheidest, dann fühlt es sich auch stimmig an und dein Körper reagiert zum Beispiel mit einer Form der Begeisterung und Motivation.
Wenn es für dich nicht in Ordnung ist, frage dich „warum nicht“?
Lässt du vieles über dich ergehen aus den oben genannten Blitzgedanken und dein Körper reagiert zum Beispiel mit Bauchweh, Migräne oder sonstigen Zeichen? Kannst du erkennen, weshalb du weg schaust? Vielleicht aus Bequemlichkeit oder gar Angst?
Bei jedem „nein, das ist für mich nicht in Ordnung, überlege dir, was das für dich, dein Wohlfühlen und deine Gesundheit bedeutet. Und suche nach Optionen, was du gegen dieses bisherige Selbstverständnis tun wirst:
– wenn deine Partnerschaft nicht rund läuft, sprich mit deinem Partner, suche dir Hilfe
– wenn die Pflege der Angehörigen lieblos bleibt, sprich mit den Verantwortlichen
– wenn du das Bargeld behalten willst, zahle nicht mit Karte
Was auch immer du im „Kleinen“ veränderst, wirkt sich nach und nach im „Grossen“ aus. Das kann ich aus meinem jahrelangen Prozess des Lebens und des Ausprobierens berichten.
Ja, das bedeutet, dass du dich positionieren musst.
Ja, das bedeutet, dass du Diskussionen und viele Fragen bis hin zum Unverständnis und Wiederwehr erfahren wirst.
Ja, das bedeutet, dass es zu Brüchen in Familie und Freundschaften kommen kann.
Dennoch ist für mich der Weg des Hinterfragens von Selbstverständnissen und damit verbunden das neu Denken eine enorme Bereicherung.
Ich will in einem friedvollem Wirken das Leben lebenswert und menschlich gestalten. Dafür musste ich innerlich frei, klar in meinen Werten und kraftvoll im Umsetzen sein. Meine Erfahrung ist, dass Menschen, die innerliche Freiheit und Fülle fühlen, keine Organisation oder weltliche Führung mehr benötigen. Wenn auch du friedliche Evolution willst, dich nach Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung sehnst, dann werde jetzt aktiv.
Sei kreativ und sprich mit Freunden über deine Wünsche. Unterstützt euch in eurem Tun und bringt die Veränderung, die ihr euch wünscht (frei nach Ghandi).

